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Erfahrungen aus dem ecuadorianischen Regenwald

ein Bericht von Sylvia Habermayr


Heute Morgen erwache ich mit dem Lärm des Regens welcher auf das Dach prasselt. Eine leichte Brise mit feuchter Luft kommt mir entgegen, die Luft mit Feuchtigkeit vollgesaut.

Wenn ich den Blick weiter hinaus schweifen lasse, so sehe ich nur Pflanzen, die Verschiedenheit der grün ist unendlich, die Farben sind intensiv, der Himmel blau, die Sonne strahlt kräftig.

Von weitem höre ich das Rauschen des Flusses, die Hühner gackern und suchen nach Futter. Die Vögel singen fröhlich vor sich hin. Still ist es am Morgen zum Zeitpunkt des Erwachens nie, doch die Klänge und Geräusche der Natur empfinde ich nicht als Ablenkung, als ein Stören, sondern als Harmonie, als Teil des Großen Ganzen des noch intakten Regenwaldes.


Ich lebte im nordwestlichen Amazonasbecken im Territorium der Sapara. Mit einer kleinen Propellermaschine, die auf dem Flugfeld in Puyo bereitstand, reiste ich in den Wald. Die Kleinstadt in Ecuador liegt am Rande des Amazonasbeckens. Hinter den letzten Häusern beginnt der Regenwald. Ein unzugängliches Territorium, das man als Individualtourist nicht besuchen kann.


Die kleine Maschine fliegt tief und rüttelt durch Wolkenfelder. Dann und wann geben sie den Blick frei auf braun gefärbte Flüsse, die durch den Dschungel mäandern. Rundherum und bis an den Horizont: Ein endlos grünes Meer von Bäumen.

Bis ich jedoch wirklich in Llanchamacocha angekommen war, war eine lange Reise hinter mir-nicht nur in Kilometern. Mein Volontärinnenauftrag, welchen ich durch die Fundacion Pachamama ( ein ecuadorianisches NGO), änderte sich mehrmals. Meine Geduld war gefragt, immer wieder loslassen von Plänen und ein mich einlassen auf das was gerade war. So verbrachte ich immer wieder Zeit in der Kleinstadt Puyo am Rande des Regenwaldes. Dort lernte ich verschiedene indigene Menschen kennen. Viele Indigene migrieren aus dem Wald in die Stadt, suchen dort Arbeit und leben unter schlechten hygienischen Bedingungen in kleinen Barackenhäusern. Sie wirkten auf mich entwurzelt, weder in der Stadt noch in ihrem kleinen Dorf mehr zuhause. Das Angebot der Stadt wirkt auf sie noch überflutender als auf uns.


Die Menschen im Dorf Llanchamacocha haben eine idealere Ausgangslage im Vergleich zu den meisten anderen Dörfern. Das Oekotourismusporjekt NAKU wird von ihnen betrieben. Dies gibt ihnen die Möglichkeit im Dorf zu arbeiten ( mit dem Geld kaufen sie Schuluniform, Kleider, Seife und Salz).


Doch nicht nur das, die Gäste welche sie empfangen interessieren sich für sie, für ihre Kultur, welches ihr Selbstbewusstsein positiv beeinflusst.

Selbstvertrauen stärken, das war eine meiner Hauptaufgaben würde ich jetzt im Nachhinein sagen. Ihrer Kultur, ihrem grossen Heilpflanzenwissen einen Wert geben, indem ich mich dafür interessiere und nicht mit meinen Ideen des Nordens auf sie einrede. Der Staat betitelt die Indigenen als schwach, faul und hinter dem Mond. Bei den Völkern, welche mit Ölfirmen zu tun haben ist dieser tiefe Selbstwert noch viel ausgeprägter.

Ich lernte sie als starke Menschen kennen, welche sich für den Schutz des Regenwaldes einsetzen- bis zu den letzten Konsequenzen. Dies tun sie nicht primär für sich, sondern für die zukünftigen Generationen der Menschheit. Dafür brauchen sie unsere Unterstützung!


Ansonsten könnte ihr Tag in Zukunft etwa so wie in den Regionen in nördlichen Teilen des Landes beginnen:

Heute Morgen erwache ich mit dem Lärm des Regens welcher auf das Dach prasselt. Der Lärm ist laut, da er auf das Zinkdach prasselt. Eine leichte Brise mit feuchter, stinkiger Luft kommt mir entgegen, die Motoren der Baumaschinen werden in Betrieb genommen. Wenn ich den Blick weiter hinaus schweifen lasse, so sehe ich eine abgeholzte Ebene, Baumaschinen fahren hin und her, um die neu erbaute Strasse fertigzustellen. Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt kräftig, die Hitze ist unerträglich, da keine Bäume mehr Schatten spenden. Das Rauschen des Flusses wird von den Baumaschinen übertönt. Die Hühner suchen vergebens nach Futter, die Vögel wurden still.

Das Territorium der Sapara und die anliegenden Gebiete sind vom Abbau von Öl und anderen Bodenschätzen bedroht. Die Förderung von Öl für unseren Konsum geht auf Kosten der indigenen Völker und ihren Lebensräume.


Die Biodiversität des Regenwaldes ist ein gigantischer Rohstoff, der den indigenen Völker alles bietet, was sie zum Leben brauchen: Bis hin zu den vielen uns unbekannten Pflanzen, die für medizinische Heilzwecke verwendet werden.

Durch das Teilen meines Alltages mit verschiedenen indigenen Kulturen während 9 Monaten erfuhr ich eine völlig neue Perspektive auf mein Leben und die Natur. Sie haben mein Leben nachhaltig verändert.



Die Annehmlichkeiten der Zivilisation lagen weit hinter mir, ich lernte sehr einfach zu leben. Gefehlt hat mir nichts, jedoch bin ich mir bewusst, dass ich immer wusste, dass dieses einfache Leben auf Zeit war, nicht für den Rest meines irdischen Daseins.

Ich fühlte mich frei, verbunden mit mir und der Natur um mich herum. Kein materieller Ballast, welchen ich „pflegen“ musste. Nicht dass du meinst, die Menschen im Wald leben im letzten Jahrhundert, Handys sind auch dort verbreitet, nur haben sie keinen Empfang.

Seither fühle ich mich der Natur auch hier tiefer verbunden, wertschätze sie anders, versuche mit den Ressourcen schonend umzugehen und immer wieder sage ich ihr Danke für das was mir Mutter Erde, Pachamama, alles gibt.

Martin Rüegg und ich organisieren wieder eine Reise nach Ecuador.

Die Reisenden werden für den Lebensraum Regenwald und die Anliegen der Einheimischen Bevölkerung sensibilisiert. Das unterstützt die Völker in ihrem Kampf für die Erhaltung ihres Lebensraumes. Sie sind nicht mehr schutzlos den Deals ausgeliefert, die über ihre Köpfe hinweg gemacht werden.

So verhindert diesen Sommer ein Regionalgericht in Ecuador vorerst eine geplante Veräusserung von 180000 Hektaren Land zur Oelförderung und verlangte, dass die betroffenen Völker bei Infrastrukturplänen mit einbezogen werden. Dies ist ein erstes positives Resultat.

Die Reise macht auch Widersprüche bewusst. Tausende von Kilometern Flugreise, um in einem der abgelegensten Gebiete der Welt mit indigenen Völkern in Kontakt zu kommen, die den fremden Besuchern Einblick in ihre Kultur gewähren- kann das nachhaltig sein? Zentral ist der Prozess, der zur Reflexion und zur Umsetzung des Erfahrenen führt, bei sich und im persönlichen Umfeld. Das wiegt aus meiner Sicht den Ressourcenkonsum dieser Reise auf.

Es ist für mich persönlich nicht wirklich ein Reisen in die Ferne, sondern ein nachhause kommen. Gerne teile ich meine Erfahrungen mit dir im gemeinsamen unterwegs sein in Ecuador. Für weitere Infos siehe https://www.der-wandel-sein.de/amazonasreise




Diplom Oecotrophologin

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Karuna2019

Ernährungsberatung und Körpertherapie,

Hamburg Volksdorf

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